episch

Romy

Waren es die Augen? Der Mund, oder diese unaufdringlich hübsche Nase? Oder ließ mich die Spitze ihrer Ohrmuschel  beben, die sich durch ihre Haarsträhnen schob?

Sie sieht immer links an mir vorbei. Diese Frau ist es, die mich sehnsüchtig den nächsten Tag erwarten lässt. Still sehe ich zu ihr hinüber. Sie hat ihren fixen Platz im Café, einen besonderen Stammplatz am Fenster.

Wo schaut sie hin? Was sehen ihre Augen? Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet, träumend und wartend, als sähe sie etwas am fernen Horizont. Doch nein, es ist ein unbestimmter Blick, gerichtet auf einen unbestimmten Punkt im Inneren dieser wunderschönen Seele.

Ich sitze ihr gegenüber, damit ich sie bewundern kann. Still hebe ich meine Kaffeetasse und proste ihr zu, ohne die Blicke der anderen Gäste auf mich zu ziehen. Aber sie scheint mich nicht zu bemerken. Das macht nichts, denn ich weiß, dass sie mich duldet, dass es ihr nichts ausmacht, wenn ich in ihrer Nähe sitze und sie still betrachte. Ich bleibe immer nur ein paar Stunden, um unser platonisches Verhältnis nicht zu strapazieren und auch, um meine Freude sie zu sehen frisch zu halten. Aber ich kann sicher sein, dass ich sie am nächsten Tag wieder an ihrem Stammplatz hängen sehe.

Unlängst hat ein unbekannter mit Filzstift ein Symbol auf ihren Hals gemalt, so als müsste er sein Revier markieren. Das ist ungehörig. Romy gehört allen und niemanden und es ist eine Schande dieses schöne Schwarzweiß-Plakat zu verunzieren. Meine Tasse klimpert, so zittert meine Hand vor Wut. Romy aber blickt ungerührt aus dem Fenster.

Vielleicht setze ich auch ein Zeichen, ein Geheimes, wovon nur sie und ich weiß, einen schwarzen Punkt auf ihre schwarze Lacklederjacke. So subtil, wie ihr Blick nach Innen, so geheim, wie meine Liebe zu ihr.

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